Ein Tag am Meer

Urlaubszeit

Das war sie also. – Unser aller Urlaub, Bens dreiwöchige KiTa-Auszeit, die allerersten richtigen Ferien, auch für uns als Eltern, neigen sich dem Ende zu. Und ich muss gestehen, dass meine Befürchtungen, einem knapp Zweijährigen, der bereits mitten in den terrible twos zu stecken scheint, keinen adäquaten KiTa-Ersatz für ganze vier Wochen, schließlich begann Bens freie Zeit gezwungenermaßen, als reine Schutzmaßnahme, schon eine Woche früher, bieten zu können, völlig unbegründet waren und wir die gemeinsame Zeit, in den unterschiedlichsten Konstellationen, mehr als genossen haben.

Ben hat seinen ersten großen Ausflug mit Papa alleine zu einem Teil der Familie an den Ammersee gemacht, wir waren ungewöhnlich oft, zu Bens großer Freude, bei Oma und Opa, hier bei uns am See, „Lecker Eis schlecke!“, hatten unzählige Kaffee- und Spiel-Dates mit lieben Menschen und haben, in unserer Familien-Woche, die Reise nach Berlin angetreten, um Oma und Opa dort zu besuchen. Das Highlight allerdings war, neben dem großen Pool, der bei Oma und Opa im Garten steht und in dem Ben tatsächlichen jeden Tag, war es auch noch so bewölkt, mit Papa „planschen“ musste, unser Tag am Meer!

Mehr Meer

Ihr habt ja recht, wir leben dort, wo andere Urlaub machen. Haben den See und das Urlaubsfeeling direkt vor der Haustür und können jederzeit eine Pause vom Alltag einlegen. Dennoch herrscht da, tief in mir, diese Sehnsucht. Die Sehnsucht nach mehr Meer. Nicht nur für mich, um meine Bedürfnisse nach dem Nichts am Horizont zu befriedigen, sondern vielmehr, um Ben das zu bieten, was auch ich als Kind erleben durfte. Erinnerungen, die ich in vielen fremden Ländern sammeln durfte. Erinnerungen, von denen ich heute noch zehre. Und wenn Ben eines definitiv von meinem Mann und mir übernommen hat, dann ist es unsere Liebe zum Wasser. Wasser, welches er hier, am schwäbischen Meer und all den wundervollen Badeseen zur Genüge hat. Das Meer jedoch, das richtige Meer, ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung. Eine Erfahrung, die Ben vor knapp einem Jahr, zu seinem ersten Geburtstag, zum allerersten Mal machen durfte. In Graal-Müritz an der Ostsee. Als nahezu einziges, so simples aber dennoch wohl größtes Geschenk zu seinem Ehrentag.

Sprachlos

In Erinnerungen an diesen einzigartigen Tag schwelgend, entschieden wir also spontan den Weg, auch wenn sich der Wunsch nach einem Tag am Meer schon seit Wochen und Monaten in meinen Gedanken hielt, von Berlin aus, mit inzwischen knapp achthundert zurückgelegten Kilometern auf dem Kilometerzähler die weiteren zweihundert, die im Vergleich als ein Klacks erscheinen, diesmal an den Strand von Warnemünde, anzutreten. Mit vollem Erfolg. Mit vollem Erfolg, da wir unser kleines Plappermaul, bis dato wohl nie derart sprachlos erlebt haben. Sprachlos vor lauter Freude. Und dann, im Anschluss „BOAH! Da… WOOOW!“ rufend, im seichten Wasser durch die Wellen tanzend und den riesengroßen Sandkasten bestaunend! Dass Ben an diesem Tag nur schwer bis gar nicht aus den Fluten zu bekommen war und er sicherlich bis in die Dunkelheit bei Papa auf dem Arm hätte durch die Wellen springen wollen, muss ich euch sicherlich erklären. Er befand sich, schlicht und ergreifend im Paradies. Im Paradies für ein wasserliebendes Kleinkind, dessen Energie in diesem Umfeld Unerschöpflichkeit erlangt.

Mit einem von Brezel und frisch am Vortag gepflückten Heidelbeeren gefüllten Bauch siegte sie dann aber doch, die Müdigkeit und Ben schlief, nach einem Muttermilch-Snack, in Handtücher gehüllt, im Schatten unseres Windschutzes ein und vermutlich so tief, wie schon lange nichtmehr. Mit den Füßen im Sand, dem Rauschen der Wellen in den Ohren und der kühlen Brise auf der Haut, an den Stellen, die unbedeckt waren. Ein Moment, der mich hätte zu Tränen rühren können und ein Bild, das sich tief in mein Herz gebrannt hat, auch wenn ich es, bewusst, nicht für die Ewigkeit festgehalten habe. Ein Gefühl von Geborgenheit und vor allem ein Gefühl von Frieden, der heilen Welt, die ich als Kind, wie auch Ben am Strand schlafend, erleben durfte und die ich mir auch für mein Kind, all unsere Kinder und die Kinder unserer Kinder wünsche.

Dankbarkeit

Dass es in diesem Jahr wohl bei diesem einen Tag am Meer für uns bleiben wird, hat verschiedene Gründe. An erster Stelle steht mein Mann, Bens Papa, der vor einer Woche, nach zwei Wochen Ausatmen und Kraft sammeln, erneut in die finale Phase seiner großen beruflichen Aufgabe gestartet ist. Die aktuellen und leider immer wiederkehrenden Geschehnisse tragen jedoch auch ihren Teil dazu bei. … Tragen ihren Teil dazu bei, dass wir uns in Bescheidenheit üben und lernen dankbar zu sein. Dankbar für das zu sein, was wir haben. Ein Leben, von dem viele Menschen nur träumen können. Eine Heimat, die viele Menschen ihren Urlaubsort nennen!

Und um Ben diese Heimat, mit all ihren Facetten, noch näher bringen zu können, heißt es für uns im September „Hoi metanand!“. Dazu aber bald mehr…

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