Spielplatzmütter

Und warum ich wohl nie eine von ihnen werde…

Es ist Sonntag. Ein verregneter Sonntag und Ben hält, nach einem ausgiebigen Frühstück und einem langen gemeinsamen Bad mit Papa, seinen ersten und inzwischen einzigen Nappie des Tages. Höchste Zeit für mich, einen weiteren Kaffee, diesmal heiß, zu genießen und mich an den Plan für heute Nachmittag zu setzen. Die Herausforderung: trotz des Regens keine Schlechtwetter-Laune aufkommen zu lassen und die letzten Stunden mit Papa noch einmal aktiv zu nutzen. Wir werden also versuchen, eine, wenn auch nur kurze, Regenpause abzupassen und uns vor die Tür wagen. „Necken“ suchen, die den feuchten Boden bevorzugen, in sämtliche „Pützen“ springen und einen Abstecher zum Spielplatz um die Ecke machen, den wir vermutlich wieder einmal ganz für uns alleine haben werden. Und genau das, das liebe ich. Nicht, dass Ben sich an anderen Kindern stören würde. Nein, ganz im Gegenteil. Das Problem bin ich. Beziehungsweise sind es die oftmals anwesenden Mütter.

Die Spezies Mutter

Bitte versteht mich nicht falsch. Unser Freundes- und Bekanntenkreis umfasst hauptsächlich Eltern. Und ich schätze diese Mütter und Väter, die inzwischen Teil unseres Lebens sind, wirklich sehr. Ebenso die Menschen, die Social Media mir näher gebracht hat, die ich lieb gewonnen habe. Diese Menschen, die ich mir selbst ausgesucht habe! – Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine?

Auf dem Spielplatz jedoch habe ich oftmals das Gefühl, ausgesucht zu werden. Ausgesucht von den Frauen, die auf Teufel komm raus Kontakt knüpfen wollen, obwohl es offensichtlich ist, dass dieselbe Wellenlänge um Weiten verfehlt wurde. Ausgesucht von den Frauen, die ohne das Zutun des Gegenüber umgehend einen Wettbewerb starten und nichts Besseres zu tun haben, als sich mit und auch durch ihr Kind zu profilieren. Ausgesucht von den Frauen, die ihre Aufsichtspflicht vorübergehend abtreten wollen und auch abtreten werden.

Und genau diese Spezies Mutter ist es, die mich bei schönem Wetter oftmals einen großen Bogen um solche Sammelplätze machen lässt. Diese Spezies Mutter, die über ihre eigenen Interessen völlig zu vergessen scheint, dass der Spielplatz ein Ort für ihre Kinder ist. Zur Freude ihrer Kinder und für den Spaß ihrer Kinder.

Gegeneinander

… Ich gehe nicht auf den Spielplatz, um ihn als eine Art Partnerbörse zu missbrauchen und um selbst die Freundin fürs Leben zu finden, auch wenn dieser Sonder- und somit Glücksfall durchaus eintreten kann! – Ich gehe auf den Spielplatz, um mein Kind mit Gleichaltrigen in Kontakt kommen zu lassen!

… Ich gehe nicht auf den Spielplatz, um mich mit anderen Müttern zu messen und zu ermitteln, welches unserer Kinder am weitesten springen, am schnellsten klettern und am höchsten schaukeln kann. Noch interessiert es mich nicht, ob mein Kind das perfektere Lunch-Paket dabei hat. Selbst gebackene cleane Kekse, in Herzform ausgestochene Bio-Äpfel, eigens gemixte Mandelmilch, …! (ich übertreibe!) – Ich gehe auf den Spielplatz, damit mein Kind ausgelassen „bielen“ kann und wenn es zwischendurch einen kleinen Snack zu sich nehmen möchte und wir den direkten Weg von der KiTa genommen haben, ist dies in der Not eben auch mal ein gekaufter konventioneller Butterkeks und ein Schluck aus einer Trinkpäckchen!

… Allem voran aber gehe ich nicht auf den Spielplatz, um die Erziehung fremder Kinder zu beeinflussen oder gar zu übernehmen. Diese Verantwortung trage ich in erster Linie für mein Kind und somit erwarte ich dies auch von allen anderen Müttern. (Was nicht bedeutet, dass ich in Notsituationen nicht sofort jedem mit meiner Hilfe zur Stelle wäre…!) Sprich: Ich sehe es also nicht als meine Aufgabe, ein Kind, das knapp zwei Köpfe größer und geschätzt zwei Jahre älter als meines ist, zu maßregeln, weil es mutwillig und frech grinsend auf Ben zuläuft, ihm den Stock, den er voller Stolz hält, aus seiner Hand reißt und mit diesem davon rennt. Dies ist Aufgabe der Eltern! Und nur weil mein Kind, das, so hoffe ich doch, eine gute Erziehung genießt und somit weiß, dass Gewalt keine Lösung ist, sich nicht umgehend wehrt und die Aufmerksamkeit der Mutter zu just diesem Zeitpunkt an einem anderen Ort lag, bedeutet dies nicht, dass der Vater seinem Sohn deshalb einen Freifahrtschein ausstellen und sein Handeln auf Nachfrage der Mutter, die meine empörten Worte in Richtung meines Mannes gehört haben muss, mit „Der ander‘ hats doch eh it gmerkt!“ rechtfertigen darf. (Mit Verlaub gesagt, mir wird derart schlecht, wenn ich mir die Welt, in der unsere Kinder zukünftig leben werden, vorstelle, das könnt ihr nicht glauben! Wo bitte kommen wir hin, sollte sich in Zukunft jeder dem völligen Egoismus hingeben?) – Ich gehe auf den Spielplatz, um meinem Kind die Möglichkeit zu bieten, die für unsere Gesellschaft (offenbar nicht für alle Zugehörigen, oder irre ich mich?) gültigen Regeln zwanglos zu vertiefen und im Umgang mit anderen Kindern spielerisch anzuwenden: Was für uns bedeutet, an Rutsche und Schaukel stellt man sich an und schubst nicht, möchte man das Sandspielzeug eines anderen Kindes ausleihen, fragt man, …!

Miteinander

Ist es denn tatsächlich so schwer unserer Zukunft, unseren Kindern die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, um in einer friedvollen Gemeinschaft leben zu können? Im Grunde genommen sind wir uns doch mehr als gleich, wollen wir schließlich alle nur das Beste für unsere Kinder und werden alle zu Löwinnen und Löwen, ist dieses in Gefahr.

Also bitte, nehmt mir diesen Beitrag nicht übel. Auch ich bin nicht perfekt. Wir alle sind es nicht und die niedergeschriebenen Fälle sind Sonderfälle. Dennoch wünsche ich mir, für uns alle, hin und wieder den eigenen Stolz Stolz sein zu lassen, ein Auge mehr auf unsere Kinder zu werfen und somit das Miteinander positiv zu beeinflussen, als Vorbild!

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.