Von sozialer Kompetenz und der großen Freundschaft

Bevor ich beginne, möchte ich klarstellen, dass dieser Beitrag weniger von Fachwissen, da ich schlicht und ergreifend nicht vom Fach bin, sondern vielmehr von Erfahrungen, meinen Erfahrungen, handelt. Erfahrungen, die ich selbst als Kind machen musste und Erfahrungen, die ich jetzt, als Mutter eines (aktuell gesprochenen) Einzelkindes, machen darf.

Müssen und dürfen

Ja, genau. Ihr habt richtig gelesen und ich habe bewusst gewählt. Müssen und dürfen. Zwei Worte, die positiv, wie auch negativ behaftet sind.

Aber von vorne…

Früher, als ich selbst Kind war, war meine Mutter, mit der ich im Alter von elf Jahren meinen leiblichen Vater verlies, alles für mich. Sie war nicht nur meine Mutter, nein. Sie war ebenso und dies lebte sie in Perfektion, wie eine Schwester, eine beste Freundin und ja, sogar auch wie ein Vater für mich. Sie war all das, was ich zu diesem Zeitpunkt so sehr brauchte. Vertrauen. Vertrauen aus Fleisch und Blut. Es war eine heftige und vor allem prägende Zeit und sie, sie stand mir bei und gab mir den Halt, den mir sonst keiner geben konnte.

Halt

Halt, den auch ich meinem bisher einzigen Kind geben möchte, ohne jeglichen Kompromiss. Dieser Halt jedoch sollte wohl dosiert sein und nicht, wie in meiner Kindheit und Jugend, fesseln. Ohne meiner Mutter einen Vorwurf machen zu wollen, das Resultat war größtenteils der Situation geschuldet und sie lediglich voller Liebe, musste ich nach und nach feststellen, dass das überaus kostbare und über Jahre hinweg gestärkte Band, und somit auch die Verbindung zur persönlichen Bezugsperson Nummer eins, in meinem Fall meine Mutter, zu einer Gefahr werden kann. So kann es geschehen, dass dieses Band nicht nur dafür verantwortlich ist, dass man über Wasser gehalten wird, es kann einen ebenso daran hindern, frei zu sein und aufs offene Meer hinauszuschwimmen. Ungeachtet der Tatsache, ob dies bewusst oder unbewusst vonstattengeht…

Gemeinschaft

Was ich damit sagen will ist, dass es für uns, vor allem aber für unsere Kinder, die kleinen Menschen, die gerade erst beginnen, die Welt zu entdecken und zu erobern, enorm wichtig und ich behaupte, sogar unerlässlich ist, so früh als möglich die Gemeinschaft kennenzulernen und sich soziale Kompetenzen anzueignen. Ganz unabhängig von der größten Liebe, die einem Mensch je zu Teil werden kann, nämlich der Liebe ihrer Eltern!

So kam es also, dass Ben und ich recht schnell und viel unterwegs waren. Wir gingen zu Babymassage – und schwimmen, hatten regelmäßige Verabredungen mit Freunden und Bekannten und etablierten unseren heiß geliebten und glücklicherweise noch immer währenden Baby-Stammtisch mit den Mamas, die ich bereits im Geburtsvorbereitungskurs kennen- und ‚lieben‘ lernte. Denn auch wenn die Liebe der Mutter, die Liebe der Eltern, für ein Baby durch nichts zu ersetzen ist, sind diese Kontakte, vor allem mit Gleichaltrigen, essentiell! Sie sind der Turbo der Entwicklung und ein Geschenk für die Erziehung, denn diese kleinen Menschen machen ihre Sache auch schon verdammt gut alleine (in einem gewissen, abgesteckten Rahmen, versteht sich!) Wie dem auch sei, ich bin dankbar dafür, dass das Leben uns keine andere Wahl gelassen hat, als Ben bereits kurz nach seinem ersten Geburtstag zu einem KiTa-Kind werden zu lassen (auch wenn es nicht immer leicht ist!) und ich bin dankbar dafür, dass Ben die Möglichkeit hatte, bisher solch wundervolle Sozialkontakte knüpfen zu können. Er hat eine beste Freundin, einen besten Freund, Freundinnen und Freunde und seine Spielkameraden in der Krippe.

… Und ihr glaubt nicht, wie mir das Herz aufgeht, wenn Ben zu Hause immer und immer wieder strahlend von all diesen kleinen und teils auch großen Menschen erzählt, seine „Milia“, die wir knapp eine Woche lang mit in die KiTa genommen haben, da ihre Mama krank war, auch danach noch morgens „ab hole“ und im Auto neben sich „sitze“ haben will, zwei „Taktors“ mit aus dem Haus nehmen muss, um auch ihr einen zum spielen mitbringen zu können, oder aber sie Essen und Trinken teilen, sich teilweise sogar liebevoll gegenseitig füttern. Kräftemessen, dann und wann, selbstverständlich inklusive, es sind schließlich Kinder. Kinder, die sich und andere austesten wollen und auch müssen, um sich all die Kenntnisse und das Wissen anzueignen, das sie und ihre Kompetenzen später, als Erwachsene, ausmachen wird.

Und da nicht jedes Kind das Glück hat, mit Geschwistern aufwachsen zu können oder aber länger darauf warten muss, die Zahl,um die 1,5 Kinder pro Frau in Deutschland, kommt schließlich nicht von ungefähr, kann ich euch nur ans Herz legen, datet euch. Datet euch mit Spielkameraden für eure Kinder und datet euch mit Müttern, die euch selbst gut tun! (Es müssen ja nicht immer gleich die Spielplatzmütter sein. -Just kidding!) Ich denke, ihr wisst was ich meine!

Und ja, Loslassen fällt schwer. Gerade, wenn das Baby noch sooo klein ist, würde man es am liebsten vierundzwanzig Stunden am Tag fest im Arm halten… Denkt in dieser Situation aber bitte auch an die Bedürfnisse eurer Kinder, Kind sein zu wollen, unter anderen Kindern und nicht nur umgeben von Erwachsenen, denn sind diese glücklich, seid ihr es auch!

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