Schlechtwetter-Laune

Einst heiß und innig geliebt. Inzwischen, als Mutter, gilt allein der Gedanke daran als Graus: Schmuddelwetter!

Alles ändert sich

Früher, ja früher habe ich es so sehr genossen. Die Tage, an denen man, ohne auch nur einen Funken schlechten Gewissens zu verspüren, zwischen Bett und Couch pendelte und somit auch den Freifahrtschein, um all die ungesunden und doch so leckeren im Haus befindlichen Vorräte an Süßigkeiten und Knabberzeug zu plündern, in den Händen hielt.

Heute jedoch und hiermit spreche ich wohl für alle Eltern, entspricht schlechtes Wetter weniger dem angedachten Ideal für Familientage. Ja, ich weiß. Prinzipiell gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung! Dennoch dürfte jedem Erwachsenen, der die Verantwortung für mindestens ein weiteres Menschenleben, das Leben eines kleinen Menschen trägt, bewusst sein, dass selbst diese perfekte Allwetter-Funktionskleidung an ihre Grenzen gerät und den Super-GAU nur bedingt abfangen kann.

Der (unser) Super-GAU!

Ich kann euch sagen, wir haben ihn erlebt. Live. Und hautnah! Und das erst vor wenigen Tagen: KiTa-Ferien in Kombination mit dem miesesten Aprilwetter, wie ich es seit Jahren nicht mehr erlebt habe. Zudem allein, alleinerziehend mit Mann!

Womit wir auch schon bei DER Preisfrage wären: wie beschäftige ich einen wilden kleinen Lausbub? Einen wilden kleinen Lausbub, der sehr gerne bereits kurz nach fünf Uhr den Tag beginnt, um bis abends zwischen achtzehn und neunzehn Uhr durchzupowern. Gut, eine halbe bis ganze Stunde Mittagspause bekommt ihr gratis obendrauf, dennoch frage ich noch einmal: wie beschäftigt ihr diesen wilden kleinen Lausbub? Um die zwölf Stunden? Im Haus? Und vor allem: entsprechend der pädagogischen Arbeit, die geschulte Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten leisten!

Und? Habt ihr eine Antwort auf meine Frage? Um ehrlich zu sein, fiel es mir zu Beginn der Woche selbst schwer, diese zu beantworten. Wenn nicht sogar sehr schwer! – An dieser Stelle ein riesengroßes Lob an all die Fachkräfte, die Tag für Tag einen wundervollen Job machen, indem sie unsere Kinder fordern und fördern! –
… Hatten wir für die Ferien und die Zeit zu zweit doch so tolle Pläne und haben die Hoffnung auf gutes Wetter bis zuletzt nicht aufgegeben. Wir wollten die Tiere in der Reutemühle besuchen, am See, durch den Wald und über die Felder spazieren und das ein oder andere Eis an der Sonne genießen! Hah, Pustekuchen. Das Wetter hatte wohl seinen ganz eigenen Plan und überraschte uns stattdessen mit Regen, Schnee und Hagelschauern, denen es offensichtlich nicht schnell genug gehen konnte, um beinahe im Minutentakt für Abwechslung zu sorgen. Eines sonnigen Augenblicks wagten wir es dann tatsächlich doch, in voller Montur, den Weg auf den Spielplatz anzutreten, um uns kurze Zeit später in der heißen Badewanne wieder zu akklimatisieren!

Ergo…

Ein Satz mit x. Das war wohl nix! Ich jedenfalls war geheilt. Geheilt von der Vorstellung, mein Kind vor die Tür zerren zu müssen, um täglich mindestens ein Mal für mindestens eine Stunde an der frischen Luft gewesen zu sein. Versteht mich bitte nicht falsch, wir sind viel draußen. Ben ist viel draußen, auch in der KiTa. Und wir lieben die Natur. Trotzdem muss ich nicht um jeden Preis das Haus verlassen und erst recht nicht, wenn dieser Preis womöglich die Gesundheit meines Kindes sein könnte.

Die drinnen-Alternative(n)

Wir versuchten uns also zu arrangieren. Mit dem April und seinen doch zu typischen Wetterkapriolen. Und dies taten wir, meiner Meinung nach recht gut. Wir sprangen Trampolin (eine Anschaffung, die ich jedem nur empfehlen kann!), malten, spielten „Auto“, „Bagga“, „Flugdeng“ und „Helioper“, kochten in der IKEA-Kinderküche, lasen Bücher, beobachteten vom Fenster aus das Windspiel auf dem Balkon, das wir Anfang der Woche bei Lidl gekauft hatten  und badeten. Mit Sandkasten-Spielzeug. Ein Heidenspaß, sage ich euch! – Und jetzt haltet euch fest: wir haben sogar die ein oder andere Kindersendung (JoNaLu, Bobo Siebenschläfer, …) eingeschaltet. Was bei anderen Müttern und Vätern Empören auslöst, fällt für mich unter die Kategorie ‚alles in Maßen‘ und ist, solange wir Eltern Art, Zeitpunkt und Dauer bestimmen, durchaus gut zu vertreten!

Ausgelastet

Sicher kommt man selbst und auch das Kind an seine Grenzen, zieht sich solch ein Schlechtwetter-Tag doch gerne zäh wie Kaugummi, jedoch lässt einen dieser Umstand ganz neue Seiten an sich und an den kleinen wissbegierigen Menschen, die stets nach neuen Herausforderungen suchen, entdeckten. Und alleine dafür ist es die Anstrengung, am Ende des Tages ein ausgelastetes und vor allem glückliches Kind ins Bett zu bringen, doch allemal wert? Oder was meint ihr?

Ich jedenfalls bin dankbar für eine Erfahrung mehr, die ich machen durfte, den Kaffee, der mich dabei unterstützt hat und freue mich auf all die kommenden Frühlings- und Sommertage, die wir draußen verbringen werden!

EDIT: auch wenn gerade erst Ostern war, darf Ben Dank des Wetters ein weiteres Duplo-Set inklusive seiner ersten Duplo-Platte sein Eigen nennen, um zukünftig auch mit Duplo Türme „baumen“ zu können! – Die nächste Anschaffung wird dann, der hoffentlich auch für uns magische Sand in einem kleinen, eigens dafür entworfenen, Sandkasten für Balkon- und indoor-Buddelspaß sein!

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