Wortgewandt

„Da, Papa, da. Taube Wasser banen (=baden)! Ben auch!“

Er ist gerade einmal einundzwanzig Monate alt und plappert.

Plappert wie ein Weltmeister.
Plappert viel, sehr viel.
Plappert sehr, sehr viel.
Diejenigen Menschen, die das reale Leben mit uns teilen, werden wohl sofort wissen, dass die Rede von Ben ist. Von meinem Sohn, der diese Gene zweifelsohne von mir geerbt haben muss. Denn auch ich plappere viel. Nun gut, wenn ich ehrlich bin, plappere ich sehr viel, was für manch Mitmenschen mehr Fluch als Segen bedeuten mag.

Wie alles Begann

Dass Ben die Sprache derart früh für sich entdecken würde hatte ich wenn überhaupt vermutet, wie gesagt, er ist mein Sohn, wen wundert es also? Damit gerechnet hatte ich jedoch nicht.

Er war nur wenige Monate alt, fünf um genau zu sein, als das erste freudige „Ma-ma“ aus ihm heraussprudelte. Und diesem wundervollen erst Wort, das mein Mama-Herz mit Stolz erfüllte, wie dies nur bei wenigen ersten Malen, die man als Eltern mit seinem Kind erlebt, der Fall ist, sollten viele weitere folgen. „Pa-pa“, „Tu-ta“ (=Feuerwehr), und und und.

Es nimmt kein Ende!

Inzwischen, sechzehn Monate und viele Lektionen später, bildet er immer häufiger kurze Sätze, benennt Autos, „Elkake“’s (=LKW) und Spielsachen bei ihren Farben und begann kürzlich auch zu zählen: „Ein, swei, vier, fünf, sechs, siebe, ach!“ Dass mein Mann und ich baff waren, könnt ihr euch sicher vorstellen!

Gut, ich übe wirklich viel mit ihm. Sehr viel und vor allem oft. Im Grunde genommen den ganzen Tag! Bereits morgens auf dem Weg zur KiTa, die ebenso einen großen Teil zu Bens sprachlicher Entwicklung beiträgt, bestellt er sich beim Bäcker seine „Brizel“ und seine Hefe-„Maus“ selbst, bedankt und verabschiedet sich und entdeckt zusammen mit mir die Welt am Straßenrand. Zählt er mir nicht auf, was er sieht, mache ich ihn auf „Bagga“, „Bus“ und „Müll-Auto“ aufmerksam. Mein Mann, ist er am Wochenende zu Hause und mit uns unterwegs, lacht schon immer und reagiert teils auch genervt, da ich mich immer und immer wiederhole und auch Ben oftmals Dinge mehrfach benennt und eine verbale Reaktion von Mama und Papa einfordert.

Fordern und fördern

Um das Sprachvermögen eines Kindes zu fordern und zu fördern ist dies, meiner Meinung nach, jedoch der einzige Weg und im Gegenzug ein riesen Geschenk, wenn die Sprachfähigkeit des eigenen Kindes in diesem jungen Alter bereits solch Formen annimmt, denn es erleichtert den Alltag ungemein. Zumindest unseren Alltag. Verletzt sich Ben, kann er mir sagen, wo das „Aua“ ist, ob gepustet werden soll oder aber ein „Kühlie“ (=Kühlkompresse) benötigt wird. Er kann sagen, wenn er etwas trinken oder essen möchte. Er kann sagen, wenn er spielen will, wenn er schlafen will und auch, wenn er nach Hause gehen (=“Ben Hause“) will, wenn wir unterwegs sind.

Er erklärt mir inzwischen sogar, dass ich einen „Kuche backe!“ soll, wenn der gekaufte Erdbeerkuchen aufgegessen ist, er aber noch Appetit auf ein weiteres Stück hat oder ermahnt mich mit „Danken Mama!“, wenn ich nicht umgehend nach dem Nießen und seinem „Hatschi Mama!“ (=Gesundheit Mama!) reagiere und mich bedanke. …

Sicherlich bedeutet dieser Vorzug auch, dass mittlerweile immer wieder Diskussionen geführt werden müssen und ich beispielsweise Bens flehen nach einem „Dulla-Küke“ (=Schokoladen-Küken), aus meinen geheimen Reserven des Lindt-Ausverkaufs nach Ostern für ihn, am Morgen, kurz nach dem Aufstehen, standhalten muss. Selbst dann, wenn er mit dicken Tränen in den Augen seine Worte „Ben Dulla-Küke haben, bitte!“ mit einem „Ben weinen!“ zu verstärken versucht. Selbst dann ist sein stetig wachsender Wortschatz ein riesen Geschenk für mich.

Es wird nicht leichter, definitiv. Ein Kind, das seine Sprache so rasant entwickelt, entwickelt ebenso Widerworte. Widerworte, auf die ich gut und gerne verzichten könnte. Widerworte, die mich dennoch in meiner Erziehung bestärken und meine Bemühungen honorieren. Denn eins ist gewiss. Mein Kind, dessen kleines Mundwerk nie stillsteht, ist bereits jetzt ein Mensch mit Charakter. Ein Mensch, der weiß was er will und ein Mensch, der dies auch offen kommuniziert. Denn, wie erst kürzlich erwähnt, liegt der Schlüssel für ein friedvolles Miteinander in der Kommunikation.

Individuen

Versteht mich bitte nicht falsch, dieser Beitrag soll keinesfalls als Lobgesang auf mein ‚ach so weit entwickeltes Kind‘ dienen, auch wenn ich alle Bemühungen anstrenge, Ben in seiner Entwicklung bestmöglich zu unterstützen. Ich weiß, dass wir alle dies tun. Für unsere Kinder. Für unsere Kinder, die Individuen sind und auch deshalb nicht miteinander verglichen werden sollten, denn sie alle entwickeln sich und ihre ganz eigenen Vorzüge. Also strapaziert euch und eure Kinder bitte nicht über. Denn es kommt alles mit seiner Zeit!

Hilfsmittel

Einen kleinen Tipp kann ich euch jedoch geben. Doch Vorsicht: Dieser ist weniger pädagogisch wertvoll! In Maßen, für mich persönlich, aber durchaus vertretbar.

Ben spielt unwahrscheinlich gerne mit den sprechenden und Melodien und Lieder spielenden Tut Tut Baby Flitzern von vtech. Ebenso findet er große Begeisterung für JoNaLu, eine Kinder TV Serie, die er ab und an über Amazon Prime sehen darf und die schon auf mehreren Fahrten nach Berlin, zu Oma und Opa, über das „Klebleb“ (=Tablet) gestreamed deeskalierend gewirkt hat. Wie gesagt, diese Tipps mögen weniger pädagogisch wertvoll sein (und somit bitte ich euch, diejenigen, die sich an solch Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder stören, die vorangegangenen Sätze zu überlesen), das Lernen der Sprache unterstützen sie allerdings zweifellos.

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